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    Eurogate-Blog

    Systematisch vernetzt

    Die IT-Landschaft des Containerterminals in Wilhelmshaven vereint Bewährtes mit Innovativem. Das Port Community System wird bereits seit vielen Jahren in Bremerhaven genutzt, das Terminal Operating System ist ein Standardprodukt des Weltmarktführers. Besonderheit: Eine automatisierte Gate-Abwicklung sorgt für höchste Effizienz bei der Lkw-Abfertigung.

    Anspruchsvolle IT-Projekte und menschlicher Nachwuchs haben eines gemeinsam: Ihre Kinderkrankheiten bereiten den Familienmitgliedern Sorgen und kosten Nerven. In dem im Herbst 2012 eröffneten EUROGATE Container Terminal Wilhelmshaven ist die IT-Landschaft hingegen 20 Monate nach der Eröffnung kein Thema, an dem sich die Emotionen entzünden. „Wir sind in einem eingeschwungenen Zustand“, sagt Jens Flemming, IT-Leiter am Standort.

    Das liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten Hafensysteme in Wilhelmshaven keine Neuentwicklungen sind, sondern ihre Bewährungsprobe 50 km östlich in Bremerhaven längst bestanden haben. „Für die Hafenbeteiligten – Terminalbetreiber, Reeder, Spediteure und Behörden - stellte sich bereits während der Planung eine wichtige Frage: `Wie erschließen wir den Jade-Weser-Port datentechnisch? Entwickeln wir etwas völlig Neues – oder greifen wir auf bewährte Lösungen zurück?``, erinnert sich Flemming.

    Die Entscheidung fiel seinerzeit dafür, dass Basis-Set-Up von Bremerhaven zu verwenden. Das bedeutet: Das in Bremerhaven über viele Jahre von der dbh Logistics IT AG entwickelte Port Community System bekam in Wilhelmshaven eine jüngere Schwester. Unter dem Port Community System ist eine Datendrehscheibe zu verstehen, über die der Terminalbetreiber EUROGATE, Reedereien, Speditionen, Bahnoperateure, das Hafenamt, dem Zoll und verschiedene weitere Beteiligte aus der Hafenwirtschaft Daten austauschen. „Zum reibungslosen Prozessablauf braucht es immer ein System, das diese Datenströme miteinander verbindet. Das Port Community liefert einen wichtigen Beitrag zum erfolgreichen Terminalbetrieb“, erklärt IT-Experte Flemming.

    Das Port Community System bietet Anwendungen für eine große Anzahl von Prozessen. Beteiligte Systeme sind DACOM für die Gefahrgutanmeldung, die Wilhelmshavener Hafentelematik (WHT), CODIS für die Bahndisposition, die Business Integration Plattform BIP für die Importanmeldung (See) und die Business Integration Truck (BIT) – eine von dbh entwickelte Anwendungssoftware für die Unterstützung der Anliefer- und Abholprozesse von Containern mit Trucks.

    Die Business Integration Truck ist beim Schwestersystem in Bremerhaven übrigens nicht anzutreffen. Sie ist eine Neuentwicklung von der dbh für Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen und dient zum Tausch von Daten von Containern, die per Lkw in den Hafen gelangen beziehungsweise von dort abgeholt werden. Speditionen können mit Hilfe des sogenannten „Pre-Announcement“ die Containernummern vorab an das System übermittelt werden, die der Trucker am Gate nur noch bestätigen muss. Das erspart dem Fahrer Dateneingaben im Eingangsbereich des Terminals – was Abhol- und Anlieferprozesse beschleunigt.

    Die Lkw-Abfertigung am EUROGATE-Terminal gehört zu den Vorzeigeobjekten des Containerterminals Wilhelmshaven. Sie funktioniert praktisch papierlos. Der Fahrer identifiziert sich bei Ankunft des Lkw am Ingate mit seiner Trucker-Karte (die auch in Bremerhaven und Hamburg genutzt wird). Außerdem werden mehrere Fotos von seinem Container gemacht. Auf dem Foto wird die Containernummer automatisch identifiziert und mit den Daten im Terminal Operating System von EUROGATE abgeglichen. Hat der Spediteur die Möglichkeit zur Voranmeldung genutzt, kann der Fahrer nach Eingabe einer Pre-Announcement-Nummer einfahren. Anderenfalls muss er selber einige Dateneingaben machen. Nur bei Unklarheiten spricht der Fahrer persönlich mit dem Service Desk der Lkw-Abfertigung , ansonsten darf er direkt einfahren. An der Entladestelle meldet er sich wieder mit der Trucker-Karte an, die das prozessführende Medium ist, und wird entladen.

    Auch bei Importcontainern wird mit Videotechnik gearbeitet. Die Containernummer wird gefilmt und identifiziert. Das System prüft, ob der richtige Container geladen ist und gibt die Weiterfahrt frei. Lediglich bei Gefahrgutcontainern und anderen besonderen Gütern gibt es einen Check durch einen Terminalmitarbeiter. Eine zeitsparende automatisierte Prüfung gibt es auch am Customs-Outgate. Systemseitig wird geprüft, ob es sich um Gemeinschaftsware handelt, oder ob im Fall von Nichtgemeinschaftsware ein entsprechendes Zollverfahren eröffnet wurde. Nur wenn eine dieser Bedingungen erfüllt ist, darf der Lkw ausfahren. Ansonsten muss der Fahrer an der Zollgrenzstation vorsprechen, die nach kurzem Weg direkt am Terminal gelegen ist.

    In der Zollabfertigung unterscheiden sich die Systeme in Wilhelmshaven übrigens von denen in Bremerhaven, nicht jedoch wesentlich von denen in Hamburg. Das liegt an den unterschiedlichen Gegebenheiten. Die Bremerhavener Containerterminals liegen in einer Freizone, während der Containerterminal in Wilhelmshaven ein Seezollhafen ist, was auch für die Containerterminals in  Hamburg gilt. Dieser Unterschied hat einen Einfluss auf die administrativen Vorgaben und letztlich auf das Design der IT-Systeme.

    Dreh- und Angelpunkt der IT auf dem EUROGATE-Terminal in Wilhelmshaven ist die TOS-Standardsoftware Navis N4 2.4, die von dem US-amerikanischen Weltmarktführer Navis im Jahr 2012 vorgestellt wurde. Navis 2.4 gilt als eine der fortschrittlichsten und leistungsfähigsten Lösungen für Terminals überhaupt. Selbstverständlich kommuniziert auch das TOS mit der Port Community Software – außerdem ist es über EDIFACT-Schnittstellen mit den DV-Systemen der Reeder verbunden. „Ohne die IT-Unterstützung wäre heute ein effizienter Terminalbetrieb nicht möglich“, bringt es Jens Flemming auf den Punkt.

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